Dino Attanasio

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Edoardo "Dino" Attanasio (* 8. Mai 1925 in Mailand) ist ein italienischer Comiczeichner und -autor, der durch die Serien Bob Morane, Mausi und Paul, Johnny Goodbye und vor allem Spaghetti, seine eigene und langlebigste Schöpfung, bekannt ist.

Attanasio besuchte die Accademia di Brera und arbeitete ab Anfang der 40er Jahre im Studio von Gustavo Petronio an Trickfilmen für die Werbung. Später wirkte er auch am ersten italienischen Zeichentrick-Langfilm, "La Rosa di Bagdad" (1949), mit. Unmittelbar nach dem Krieg fasste er mit seinem Bruder Gianni und anderen Freunden, wie dem späteren Akim-Zeichner Augusto Pedrazza, im Comicgeschäft Fuß. Unter anderem zeichnete er Gianni e Pinotto (eine Comicversion von Abbott & Costello) und für den Verlag Bonelli einige Episoden von Furio Mascherato.

1948 emigrierten die beiden Brüder nach Belgien und fanden schnell Arbeit in einer Firma für animierte Werbespots. Im selben Jahr konnte Dino einige Illustrationen in Tintin unterbringen. Etwas später kam der junge Künstler in Kontakt mit Georges Troisfontaines, dem Chef der Comic-Agentur World Press, in deren Studio er bald neben Jean-Michel Charlier, Victor Hubinon, Eddy Paape, Jean Graton, MiTacq und anderen arbeitete. Seine erste frankobelgische Comicserie zeichnete er ab 1950 für La Libre Belgique: Die Erlebnisse von Fanfan et Polo (dt.: Pitt und Polo, 1963 in Felix Nr. 237ff, 1964 in der Edeka-Kundenzeitschrift Die kluge Hausfrau), zweier bastelwütiger Jungs, setzte er nach Skripten von Charlier und anschließend René Goscinny um. Über World Press war er 1951-53 auch mit einigen der ersten Belles Histoires de l'Oncle Paul (dt.: Onkel Jo erzählt in Felix, Onkel Paul bei Kauka) in Spirou vertreten. Ab 1953 veröffentlichte der Zeichner Comics im katholischen Magazin Petits-Belges der Abtei Averbode und arbeitete ab 1954 für das Mädchenmagazin Line aus dem Hause Lombard erstmals mit seinen langjährigen Mitstreitern Lucien Meys ("On a volé Valentine"), Yves Duval (diverse kurze Comics) und Greg ("Pastis et Dynamite") zusammen.

Ab 1956 war Attanasio für Tintin tätig, zunächst mit realistisch gezeichneten Illustrationen und kurzen Comics. Eine Ausnahme stellte im selben Jahr der kurzlebige Funny Coconut et Vermisseau um einen Papagei und einen Wurm dar. Ende 1957 präsentierte Attanasio den Tintin-Lesern einen Erfolg versprechenderen "Helden", für dessen Erlebnisse er Goscinny als Szenarist hatte gewinnen können: Signor Spaghetti (dt. bei Kauka). Die teils autobiografisch gefärbte Gag-Serie um einen leicht erregbaren italienischen Einwanderer auf Arbeitssuche und dessen noch trotteligeren (aber fröhlichen) Vetter Prosciutto bescherte ihm den Durchbruch. Die ursprünglichen Dreiseiter wichen nach und nach längeren Abenteuern, und nach Goscinnys Ausstieg im Jahr 1965 wurde das Material von Meys, Francel (d.i. Roger Lefranc) und Duval geschrieben. Von 1959 bis 1968 übernahm Attanasio auf Wunsch von André Franquin auch dessen Tintin-Serie Modeste et Pompon (dt.: Mausi und Paul bei Comicplus). Obwohl er mit den Gag-Einseitern (Szenario: Greg, Meys, Hao u.a.) fortan einen Großteil seines Lebensunterhalts bestritt, war er zunehmend frustriert darüber, einer bereits perfekten Serie nichts Eigenes mehr hinzufügen zu können. Ab 1962 gönnte er sich für seine beiden Tintin-Funnies mit Pierre Seron einen zeichnerischen Assistenten.

In den 50er Jahren hatte Attanasio diverse Illustrationen und Titelbilder für den Verlag Marabout angefertigt, unter anderem für die 1953 von Henri Vernes (d.i. Charles-Henri Dewisme) geschaffene Roman-Reihe um den Abenteurer "Bob Morane". Sein Vorschlag, dessen Abenteuer im realistischen Stil für Comics zu adaptieren, fand beim Verlag Zuspruch, und machte ihn zwischen 1959 und 1962 zum ersten Zeichner der ebenfalls von Vernes geschriebenen gleichnamigen Comicserie. Les aventures de Bob Morane wurden in Femmes d'Aujourd'hui abgedruckt und anschließend vom Verlag Marabout als Alben herausgegeben (dt. bei Feest und als Gesamtausgabe bei Epsilon). Seine Entscheidung, Bob Morane nach fünf Alben zugunsten seiner Tintin-Arbeit aufzugeben, bezeichnete Attanasio später als Fehler, da durch die im Anschluss wechselnden Zeichner (Gérald Forton, William Vance u.a.) der Serie eine unverwechselbare Identität verwehrt blieb. Für Tintin adaptierte Attanasio 1964/65 abermals einen Romanhelden: Die Comic-Karriere des 1959 von Autor André Fernez für das Magazin geschaffenen CIA-Agenten Jimmy Stone beschränkte sich allerdings auf lediglich ein albenlanges Abenteuer.

In der zweiten Hälfte der 60er Jahre war Attanasio auch wieder für die italienische Comic-Produktion tätig und konnte sich mit seiner Mitarbeit am Magazin Il Corriere dei Piccoli einen Kindheitstraum erfüllen. Darin erschienen seine Serien Ambrogio e Gino (1965-68, mit Carlo Triberti, dt.: Anatol & Sohn in Bd. 10 der Albenreihe Super von Moewig), Il Colonnello Squilla e Pepè (1966/67, mit Lucien Meys) und Gianni Flash (1968/69, mit Yves Duval). Zwei davon erfuhren im Rahmen einer kleinen Werkschau 1979 eine frankobelgische Albenveröffentlichung bei Éditions Michel Deligne: "Ambroise et Gino" und "Flash-Back et la 4e dimension". Ebenfalls mit Duval schuf der Zeichner Anfang 1968 das sexy Skript-Girl Candida für die französische Ciné-Revue.

Nach seinem Weggang von Tintin Ende 1968 wandte sich Attanasio dem niederländischen Comic-Markt und dem Magazin Pep zu. Seine bekannteste Serie aus dieser Zeit ist ein Gangster-Funny um einen US-amerikanischen Detektiv zur Zeit der Prohibition: Johnny Goodbye (dt. in Bd. 1, 4, 7 und 9 der Ehapa-Reihe "Tolle Typen"), eine Schöpfung Martin Lodewijks, erschien von 1969 bis 1992 nacheinander in Pep, Eppo und Sjors & Sjimmie Stripblad; dem ursprünglichen Szenaristen Lodewijk folgten Patty Klein, André-Paul Duchâteau, Yves Duval, Eddy Ryssack und Ruud Straatman. Weitere Funnies für Pep waren Bandonéon (1970-73, mit Yvan Delporte), um einen argentinischen singenden Helden der Pampa, und der Fußball-Comic De Macaroni's (1971-75, mit Dick Matena, dt: Die Macaronis bei Gevacur im Taschenbuch 1. FC). Der niederländischen Mädchenzeitschrift Tina steuerte der Zeichner mit Patty Klein 1973 das Serial Conny Wildschut bei.

Von 1974 bis 1986 nahm Attanasio die Arbeit an Spaghetti wieder auf, anfangs zeichnerisch assistiert von Daniel Kox, zum Schluss mit Unterstützung der Szenaristen José-Louis Bocquet und Jean-Luc Fromental. Die Vorabveröffentlichungen waren über diverse Magazine verstreut, einiges wurde von diversen Verlagen direkt in Albenform veröffentlicht. Das Spätwerk des Künstlers war Stückwerk: Bei Éditions Deligne erschienen 1983 und 1984 die One-Shots "Le soleil des damnés - Opération Edelweiss" (mit Ed Engil alias Verlagschef Michel Deligne) und "Il était une fois dans l’Oued (O.P.A. sur la Belgique)" (mit Jacques Lambrexhe). Für Éditions Lefrancq schuf Attanasio mit seinem Sohn Dino Alexandre als Texter 1991 eine aquarellierte Comic-Adaption von Giovanni Boccaccios Novellensammlung "Decamerone". Ebenfalls für Lefrancq entstand 1994 eine neue Episode von Bob Morane, während der Zeichner eine begonnene Version von Titus Petronius' "Satyricon" wegen der Verlagsschließung nicht beendete.

Attanasio bei Kauka


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