Raoul Cauvin

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Raoul Cauvin (*26. September 1938 in Antoing, Belgien) gehört ohne Zweifel zu den produktivsten Comic-Szenaristen überhaupt. Ab 1968 avancierte er zu einem der gefragtesten Autoren des Spirou-Magazins, wobei er sich neben seiner Arbeit an klassischem Alben-Material à la Die blauen Boys und Sammy & Jack vor allem als der ungekrönte König im Bereich der kürzeren Gagcomics von ca. 1 bis 6 Seiten Länge erwies. Cauvin lässt sich von TV, Zeitungen und Zeitschriften inspirieren, mag Stephen King-Bücher und Horrorfilme und präsentiert seine Szenarios den Zeichnern in der Regel in Form von Storyboards und Scribbles.

Werdegang

Nach einer Ausbildung zum Werbelithographen am Institut St. Luc in Tournai und der Absolvierung seines Wehrdienstes fand er 1960 Beschäftigung beim Verlag Dupuis. In den ersten neun Jahren seiner dortigen Tätigkeit arbeitete er in erster Linie als Kameramann für das von Eddy Ryssack geleitete hauseigene Trickfilm-Studio TVA Dupuis. Während all dieser Jahre versuchte er sich am Schreiben von Comic-Szenarios für Spirou, die jedoch vom damaligen Chefredakteur des Magazins, Yvan Delporte, stets abgelehnt wurden. Cauvin und seine TVA-Freunde tricksten Delporte kurzerhand aus, indem sie unter dem gemeinschaftlichen Szenaristen-Pseudonym Desquatre (=Cauvin, Ryssack, Charles Degotte und Michel Matagne) 1964/65 zwei von Degotte gezeichnete Mini-récits (Mini-Comics) zur Veröffentlichung brachten - in den Jahren 1965/66 durfte Cauvin unter Delporte dann immerhin noch vier Sechsseiter für Ryssack schreiben. Schließlich gab ihm Herausgeber Charles Dupuis höchstpersönlich die Chance, ab 1968 als Comicautor wirklich Fuß zu fassen und seine ersten kurzlebigen Gagserien abzuliefern: mit Serge Gennaux die Möchtegern-Gauner Loryfiand et Chifmol, mit Ryssack die beiden Flöhe Arthur et Léopold und mit Claire Bretécher Les Naufragés. Mit Salvé entstanden noch im selben Jahr die ersten kurzen Episoden und Gags mit Les Tuniques Bleues (Die blauen Boys bzw. Bud & Chester bei Bastei). 1969 folgten die ersten etwas längeren Stories für die von Mazel gezeichnete Musketier-Serie Câline et Calebasse (Kaline und Kalebasse).

Die 70er Jahre brachten Cauvin schließlich den Durchbruch. 1970 schrieb er sowohl für Les Tuniques Bleues als auch für Câline et Calebasse die ersten albenlangen Abenteuer und schuf mit Raymond Macherot die Gagserie um den Kater Mirliton (Kater Franz), die immerhin bis 1975 Bestand hatte. Im selben Jahr starteten die von Berck gezeichneten, im Gangster-Milieu der 30er Jahre angesiedelten Abenteuer von Sammy (Sammy & Jack) - neben den Blauröcken, die ab 1972 von Willy Lambil gezeichnet wurden, Cauvins erfolgreichste und umfangreichste Schöpfung. Es folgten weitere Serien mit mal mehr, mal weniger Erfolg: 1973 mit Guy Counhaye die eher obskuren Les Naufragés de l'Espace und mit Lambil Pauvre Lampil, um einen geplagten Comiczeichner (Lambil) und seinen Szenaristen (Cauvin), 1974 mit François Walthéry Le vieux bleu, um einen Taubenzüchter (dt.: Der »alte Blaue«, Band 1 der Reihe Franco-Belgische Comicklassiker bei Salleck). 1975 kamen gleich vier neue Serien hinzu: mit Jacques Sandron entstand Godaille et Godasse, um einen Husaren und sein Pferd, mit Daniel Kox der unkaputtbare L'Agent 212 (Bully Bouillon bzw. Dein Freund und Helfer bei Feest), mit Antoinette Collin das kurzlebige Vögelchen Christobald und mit Mazel die Dschungelserie Boulouloum et Guiliguili (Rambo & Zambo bzw. King und Kong bei Comicplus), die zum ersten Mal seit Sammy albenlanges Material bot (auch Godaille erlebte später einige längere Abenteuer).

In den 80er Jahren weitete der Workaholic seine Comic-Aktivitäten noch weiter aus, wobei es thematisch nun öfters in Richtung Parodie und schwarzer Humor ging. Nach einer ersten Zusammenarbeit mit Bercovici an Les Grandes Amours Contrariées, einer 1979 entstandenen Gagserie um berühmte Liebespaare, schuf er 1981 mit demselben Zeichner Les Femmes en Blanc (Die kranken Schwestern bei Ehapa). Ebenfalls 1981 machte Cauvin seinen einzigen Versuch, selber als Zeichner aktiv zu werden - die Serie Zotico wurde lediglich in Robbedoes, der niederländischen Version von Spirou, veröffentlicht. Ab Ende desselben Jahres schrieb er drei Szenarios für den Klassiker Spirou et Fantasio (Pit und Pikkolo bzw. Spirou und Fantasio bei Carlsen), die von Nic Broca zeichnerisch umgesetzt wurden und allgemein als Tiefpunkt der Serie gelten. Vielleicht hing diese ungute Erfahrung damit zusammen, dass Cauvin seiner Palette in Zukunft nur noch Gagserien hinzufügte: 1983 schuf er mit Marc Hardy den Totengräber Pierre Tombal (Pierre Tombal bei Heinzelmännchen), 1986 mit Glem (d.i. Gérard Lemaire) die gefräßig-zynischen Geier Les Voraces und mit Laudec (d.i. Tony de Luca) Cédric, 1988 mit Malik Cupidon, 1992 wiederum mit Laudec das vergleichsweise kurzlebige Taxi-Girl und mit Bédu Les Psy (Die Psychiater in Zack 95) sowie 1993 mit Mazel Les Paparazzi. Von diesen Serien entwickelte sich vor allem Knirps Cédric zu einem der jüngeren Bestseller in Frankobelgien, der hierzulande unbegreiflicherweise nur in Toggo 6/2001 und Zack 99 in Erscheinung trat.

Neben seiner Arbeit für Spirou gehörte Cauvin in den 70er Jahren zu den anonymen Mitarbeitern Bercks, als dieser für Primo Mischa wieder aufleben ließ. Laut Patrick Gaumers "Cauvin - la Monographie" setzte er damals mehr als 200 Seiten der Serie in Szene (entspricht etwa der Hälfte des damaligen Ausstoßes), und tatsächlich ist in einigen der besseren Episoden der typische Cauvin-Humor unverkennbar. Anschließend arbeitete er für Sjors und Eppo mit Berck auch an dessen Serie Lowietje (Alexander bzw. Lou bei Feest), was er aus vertraglichen Gründen ebenfalls anonym tat. Für Casterman und später Lombard realisierte er mit Louis-Michel Carpentier ab 1980 Les Toyottes (Die Toyoten bei Carlsen) und ab 1986 die Serie L'Année de la Bière für Éditions Archers, die später von Dupuis unter dem Titel Du côté de chez Poje weitergeführt wurde. Im Jahr 2000 übernahm Cauvin zudem von Achdé (d.i. Hervé Darmenton) das Szenario für dessen bei Dargaud erscheinende Serie CRS = Détresse.

Wer glaubt, das sei nun wirklich genug für ein Szenaristenleben, sei noch auf die die diversen Spirou-Serien verwiesen, bei denen Cauvin Gastspiele gab: Wladimyr, Boule et Bill, L'homme aux phylactères, Natacha, Jess Long...

Cauvin bei Kauka

sowie die Einzelgeschichte


Literatur

  • Zack Nr. 58. Darin: Porträt von Cauvin
  • Kris de Saeger: Das große Cauvin-Album, Arboris Verlag 1995


Weblinks