Riccardo Rinaldi

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Riccardo Rinaldi (* 24.Februar 1945; † 11.März 2006 in München) zeichnete von 1965 bis 1974 sowie sporadisch in den 80er Jahren Comics für Rolf Kauka.

Zeichner-Bio

Die Legende besagt, dass im italienischen Kinderfernsehen ein kleiner Clown als Schnellzeichner auftrat, der Anno 1957 in Rekordzeit Fix und Foxi und Lupo auf eine Tafel gezaubert haben soll - der kleine Riccardo. Solchermaßen vorbelastet stieß der Italiener 1965 zum Team der Kauka-Zeichner. Bereits ein Jahr später schuf Rinaldi für Kauka den parodistischen Steinzeit-Comic Die Pichelsteiner, dessen wichtigster Zeichner er für alle Zeiten bleiben sollte. Die Serie erschien nacheinander in Tip Top, Kauka Comic und Primo und Rinaldi war für die Pichelsteiner-Szenarios selbst verantwortlich. Peter Wiechmann erinnert sich:

"Nun, über das kuriose Zustandekommen der meisten Pichelsteinergeschichten schrieb ich in den [Primo Premium-] Büchern. Riccardo kam zu mir in die Schlosskapelle, ich hatte mich hinzusetzen und er trug mir die jeweilige Geschichte szenisch vor. One-Man-Show unter dem Einsatz von Mimik, viel Gestik und Rollentausch. (Also Riccardo schlüpfte in die Rolle des Obermuffels oder die der Petra, etc.) Änderungswünsche oder kleine Korrekturen wurden an Ort und Stelle in sein Kopfmanuskript eingebaut. Riccardo war der Szenarist - und wie! Das Texten teilten sich dann Manfred Klinke und Wiechmann."

Zudem war Rinaldi in den späten 1960er und frühen 70er Jahren im FF-Magazin mit Fix und Foxi-, Diabolino- und Tom und Biber-Comics präsent. Des weiteren übernahm er 1969 von Kara den in Fix und Foxi Super erscheinenden Germanen-Comic Siggi und Babarras und schuf als "Riccardo" nach Vorgaben von Weynstein 1971 den Erotik-Comic Siegfried für das Magazin Pip, Kaukas Ausflug in die Welt der "Erwachsenen-Comics". Auch diverse Titelbilder und Poster ("Witzige Weltgeschichte" in FF und "Rund um die Windrose mit den Vier Freunden" in Pepito) gehen auf sein Konto.

Dem redaktionellen Teil des FF-Heftes steuerte Rinaldi 1976 noch die kurzlebige Ente Kwak-Kwak bei, war ab Mitte der 70er Jahre aber vor allem in der Werbung aktiv, unter anderem mit den Schleck-Kaugummibildern für die Firma Storck und Werbeanzeigen für Haribo. Um 1977 zeichnete er den ersten Max und Baxi-Comic für die Techniker Krankenkasse, dem in den 80ern noch zwei weitere folgten. 1982 schuf er für den Heide-Park Soltau die Comicfigur Heido.

In der ersten Hälfte der 80er Jahre spielte Rinaldi Geburtshelfer bei einigen Fix und Foxi-Episoden Alberico Mottas und zeichnete auch wieder eine Handvoll Comics selbst ("Die preiswerte Schlankheitskur" in Lupo usF 12/1983, "Das Hyper-Super-Jogging" in FF 22/1984, "Der Neubau" in Lupo 60 und "Einfach tomatös" in Lupo 65). Wahrscheinlich trainierte der Zeichner neben Motta auch die Rückkehrer Chierchini, Uggetti und Colantuoni - zumindest ist sein Einfluss bei deren damaligen FF-Arbeiten unverkennbar. Anfang 1988 plante man bei Pabel eine Pichelsteiner-Wiederbelebung, die jedoch wegen Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Copyrights nicht zustande kam. Stattdessen gestaltete Rinaldi Ende der 80er sowie in den 90er Jahren Titelbilder für das Magazin U-Comix und zeichnete bis zu seinem Tode für das Apotheken-Magazin Junior den auf Leserideen basierenden Comic Das Streichquartett.

Rinaldi engagierte sich sehr für die Comics in Deutschland, indem er 1984 mit Achim Schnurrer den Comicsalon in Erlangen aus der Taufe hob, für den er auch den Max-und-Moritz-Preis gestaltete. Zudem gab er mit Schnurrer die Bücher "Kunst der Comics" (1984) und "Die Welt der Bilderfrauen" (1986) heraus.

Die Kauka-Zeit aus eigener Sicht

1965 bewarb sich der damals 19 Jahre junge Werbegrafiker Rinaldi auf eine Anzeige Rolf Kaukas in der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ als Comiczeichner. So kam es zu einem Vorstellungstreffen in Mailand, bei dem Rinaldi Rolf Kauka und dem damaligen FF-Chefzeichner Walter Neugebauer seine Arbeitsproben vorlegte. Der junge Italiener wurde daraufhin für eine Probezeit angenommen, in dem er im Grünwalder Kauka-Schloss den FF-Zeichenstil von Walter Neugebauer einüben sollte. Diese Probezeit bei Kauka beschrieb Rinaldi 2003 als eine ziemliche Wackelpartie mit unsicherem Ausgang. Denn mit dem Neugebauer-Stil hatte er sehr schwer zu kämpfen, da er durch seinen eigenen Stil zu sehr vorgeprägt war. O-Ton Rinaldi:

„Ich lernte nichts dazu und hatte sogar mehr und mehr Schwierigkeiten mit meinem eigenen Strich.“

Ebenfalls zu schaffen machte ihm die Produktionsweise im Kauka-Schloss: Die Blaustiftvorzeichnungen täuschten ihm eine zeichnerische Fülle auf dem Papier vor, die später nach der Reproablichtung verschwand. Doch am meisten verzweifelte Rinaldi über den Plots, die er vorgelegt bekam:

„Das schlimmste Handicap jedoch waren die unglaublich schlechten Storyvorgaben. Falsch konstruiert, inhaltlich öde und zeichnerisch nur mit Klimmzügen umzusetzen. Die anderen Zeichner umgingen diese Klippe, indem sie ihre eigenen Geschichten erfanden und vorlegten. Konnte ich aber damals nicht, weil mein Deutsch damals nicht dafür reichte, und einen Übersetzer konnte ich mir damals nicht leisten. Fazit: Ich erwartete jeden Tag den Rausschmiss!“

Rolf Kauka erkannte aber das Talent von Rinaldi und hielt an ihm fest. Er ermöglichte ihm auch, auf freiberuflicher Basis für ihn weiterzuarbeiten, wovon sich Rinaldi selbst eine Leistungsverbesserung versprach. Seine ersten Kauka-Comics von akzeptabler Qualität waren danach für ihn seine stummen Diabolino-Einseiter und die eigenen Tom und Biber-Stories. Auch löste sich Rinaldi zunehmend davon, Walter Neugebauer kopieren zu müssen, und fand zu seinem eigenen unverkennbaren schlaksigen Zeichenstil. In dieser ersten freiberuflichen Phase schuf er für Kauka Die Pichelsteiner, die erstmals in Lupo modern 19/1966 und später vor allem im Primo-Magazin erschienen.

1988 zerplatzte für Riccardo Rinaldi ein lang gehegter Wunschtraum, nämlich neue Folgen seiner Pichelsteiner zu produzieren und der Steinzeitfamilie nach Jahren den letzten Schliff zu geben. Der damalige FF-Chefredakteur Hans-Jürgen Weller rückte von seinem ursprünglichen Plan eines Pichelsteiner-Revivals in FF wieder ab, da es zu einem Rechtsstreit um die Serie mit Rolf Kauka kam. Zitat Rinaldi aus dem Jahr 2003:

„Rolf Kauka und ich stritten uns unseligerweise um die Urheberrechte, und über diesen Streit beschloss Herr Weller, auf die Serie zu verzichten. Jammerschade, denn bei der damals gerade aufkommenden Dinosaurier-Begeisterung hätten sich die Pichelsteiner bestimmt glänzend behauptet.“

An dem Rechtsstreit um die Pichelsteiner zerbrach das langjährige gute Verhältnis zu Rolf Kauka. Die beiden sprachen danach nie mehr ein Wort miteinander, etwas, das Rinaldi selbst am meisten zu schaffen machte:

„Als er dann für immer ging, da ging auch ein Teil von mir mit...“

Riccardo Rinaldi selbst verstarb 2006, viel zu früh, im Alter von 61 Jahren, als er im Schlaf einen Herzstillstand erlitt.


Beilage FF 1971-38.jpg

Alle Pichelsteiner-Episoden von Rinaldi

siehe unter Pichelsteiner (noch nicht vollständig erfasst)

Alle Tom und Biber-Episoden von Rinaldi


Literatur

  • Die Sprechblase - Das große Comic-Magazin Nr. 192, 28. Jahrgang (August 2003). Darin: Kauka-Spurensuche von Peter Wiechmann mit autobiografischem Bericht von Riccardo Rinaldi, S.30-33.
  • Achim Schnurrer: Riccardo Rinaldi über Rolf Kauka. In: Comic! Jahrbuch 2008. Stuttgart 2007, ISBN 978-3-88834-938-6, S. 46-55.


Weblinks