Jo-Jo

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Jo-Jo (im Original: Gaston Lagaffe, la gaffe = der Patzer), in Deutschland heute besser bekannt als Gaston, ist ein Gag-Comic über den gleichnamigen chaotischen Redaktionsboten, der die Mitarbeiter eines Comic-Verlags ständig an den Rand des Wahnsinns treibt. Von 1968 bis 1978 sorgte er auch in der Kauka-Redaktion für Wirbel.

Ein Genie mit Phantasie

Die Hauptfigur wurde von André Franquin, der die Serie bis zu seinem Tod zeichnete, ursprünglich als Lückenfüller für das Spirou-Magazin erfunden. Neben Franquin arbeitete Jidéhem an der Serie, der in der Anfangszeit als Inker fungierte, sich dann aber (nach eigener Aussage bis einschließlich Gag 445) auf die Hintergründe konzentrierte. Ebenfalls beteiligt war Yvan Delporte, der laut Franquin half, die Persönlichkeit der Figur zu finden, sie auf den Namen Gaston taufte (nach einem Freund ähnlichen Kalibers) und - nicht nur in der Anfangszeit - etliche Gags beisteuerte.

Ab dem 28.2.1957 trat Gaston im Spirou-Magazin wie "Deus ex machina" in etlichen Einzelbild-Illustrationen auf und wurde, da er nun schon einmal da war, kurzerhand zum Büroboten des Dupuis-Verlags befördert. Da der so chaotische wie sympathische Schlaks, zunächst vor allem noch ein unfähiger Dussel, sich von Anfang an großer Beliebtheit bei den Spirou-Lesern erfreute, kam es, wie es kommen musste: am 5.12.1957 kündigte ein sichtlich genervter Fantasio (aus Spirou et Fantasio) eine eigene Comicserie für den Antihelden im zu kleinen, grünen Rollkragenpullover an. Gastons Erlebnisse wurden zunächst in zwei Streifen abgedruckt, die sich im Heft unten auf zwei Seiten gegenüberstanden, ab 1959 (Gag 85) wurde daraus ein Halbseiter, ab Mitte 1966 schließlich eine ganze Seite.

Wenn Gaston seine Bürozeit nicht gerade mit Schlafen, Kochexperimenten und Essen verbringt, betätigt er sich, anstatt die Leserpost zu beantworten, mit Vorliebe als Bastler, Chemiker und Erfinder. Die berühmteste Erfindung des auch als Hobbymusiker in Erscheinung tretenden Kreativgeists ist eine im wahrsten Sinne des Wortes weltbewegende Harfe im Neandertal-Look, das Gaffophone (dt.: Gastophon oder Brontosaurophon). Ebenso groß wie sein Erfindungsreichtum ist auch die Tierliebe des überzeugten Ökologen: Gastons redaktionsbevölkernder Privatzoo besteht in erster Linie aus einer verspielten Katze, einer angriffslustigen Lachmöwe, einem Goldfisch namens Bubulle und den Hausmäusen Cheese und Co., aber auch eine ausgewachsene Kuh stattete den Redaktionsräumen einmal ihren Besuch ab.

Gastons direkter Vorgesetzter war zunächst der bereits erwähnte Fantasio, auch Spirou trat mitunter in den frühen Halbseitern auf. Ende 1967 wurde Fantasio durch den schon zuvor in Erscheinung getretenen Kollegen Prunelle (dt.: Demel) ersetzt, einen bebrillten Pfeifenraucher, der sich durch Gastons Wirken schnell vom "väterlichen Freund" zum griesgrämigen Choleriker wandelte. Sein Leidensgenosse, Zeichner Lebrac (dt.: Krause), ist hin- und hergerissen zwischen heimlicher Bewunderung für Gastons Kreativität und dem Versuch, ein Minimum an Arbeit geregelt zu bekommen. Sekretärin Mademoiselle Jeanne (dt.: Fräulein Trudel) ist die große Liebe von Gaston, die ihm in grenzenloser Bewunderung zugetan ist. Eingeführt als Mauerblümchen, entwickelte sie über die Jahre einen gewissen Sex-Appeal. Monsieur de Mesmaeker (dt.: Herr Bruchmüller, sein Name im Original geht auf den Realnamen Jidéhems zurück) ist ein wohlhabender, protzsüchtiger und leicht aufbrausender Geschäftsmann, dessen Versuche, mit Fantasio bzw. Prunelle gewisse Verträge zur Unterzeichnung zu bringen, stets zum Scheitern verurteilt sind. Außerhalb des Büros muss sich Gaston als Fahrer eines schrottreifen Fiat 509 (Baujahr ca. 20er Jahre) des Verkehrspolizisten Longtarin (dt.: Knüsel) erwehren, der es auf den notorischen Parkverbot-Ignoranten abgesehen hat. Jahre später zahlen Gaston und seine Freunde es dem heimtückischen Beamten zurück, indem sie einen wahren Krieg gegen dessen geliebte Parkuhren führen. Die beiden besten Freunde von Gaston sind Jules-de-chez-Smith-en-face (dt.: Alfons), der in einem Büro auf der anderen Straßenseite "arbeitet", und Bertrand Labévue (dt.: Felix Knoop bzw. Bertie), der mitunter zu Depressionen neigt.

Sein deutschsprachiges Debüt gab Gaston bei Kauka in Lupo 3/1964 in der Pit und Pikkolo-Geschichte "Treffpunkt Rummelplatz", noch unter dem mit Pit, Pikkolo und Pips alliterierenden Namen Piefke. 1968, nach einem Cameo in "Der Saurier von Champignac", hatte die Figur mit Halbseiter Nr. 326 schließlich ihren ersten deutschen Solo-Auftritt in FF 30/1968. In seinem Vorwort berichtete Rolf Kauka von einem neuen Mitarbeiter der Redaktion, einem gewissen Josef, der aufgrund seines starken Stotterns von allen aber nur Jo-Jo genannt werde. Dieses Stottern, ein in den politisch weniger korrekten späten 60er Jahren ersonnener "Gag", der mit dem belgischen Original nichts zu tun hat, ist bis heute - ähnlich wie die Transformation von Asterix, dem Gallier, in Siggi, den Germanen - willkommenes Wasser auf die Mühlen der Anti-Kauka-Fraktion. Trotz (oder wegen?) des Sprachfehlers genoss Jo-Jo eine außerordentliche Popularität bei den damaligen Lesern und hielt der FF-Redaktion eine Dekade lang die Treue. Die Nebenfiguren wurden angeblich nach tatsächlichen Mitarbeitern der Kauka-Redaktion benannt: So hieß Prunelle Günter (nach Günter Ropertz), Lebrac Manfred (nach Manfred Klinke; die Figur war zunächst allerdings als Kurt bekannt) und Melle Jeanne Hanni (nach Hanni Boos), während sich De Mesmaeker und Longtarin mit den Bezeichnungen "der Generaldirektor" und "der Polizist" begnügen mussten.

In Kauka Super-Serie 43 sowie Fix und Foxi Extra 6 kamen einige 1965 von Franquin für das Taschenbuch "Biographie d'un gaffeur" neugezeichnete Versionen früher Gags zum Abdruck, die in Deutschland anderweitig unveröffentlicht blieben (in untiger Comicographie fett hervorgehoben). Die letzten Gaston-Gags bei Kauka erschienen 1978 in Fix und Foxi und Fix und Foxi Extra, der "jüngste" trug die Nummer 832. Ab 1981 fand die Figur unter ihrem zu Gaston verkürzten Originalnamen eine neue Heimat im Carlsen/Semic-Verlag, der die Serie in neuer (stotterfreier) Übersetzung bis 2010 in etlichen Soft- und Hardcover-Albenreihen ausschlachtete. Im Januar 2006 widmete die FAZ dem Büroboten einen Band ihrer Reihe "Klassiker der Comic-Literatur", der hauptsächlich Halbseiter in wiederum neuer, sehr am Original klebender Übersetzung bot.

Mit "Der ganze Gaston" erhielt der Büroschreck von Carlsen schließlich eine kompakte sechsbändige Gesamtausgabe im Schuber. In der Erstauflage von 2015 fehlten allerdings nicht nur diverse in früheren Publikationen des Verlags abgedruckte Illustrationen, sondern mit dem Einseiter Nr. 432 und dem Halbseiter Nr. 862 leider auch zwei reguläre Gags.

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interesting trivia:


  • Auf dem Cover der Spirou-Spezialausgabe Nr. 1482 B vom September 1966 (einer Sonderausgabe für Studenten, die neben der regulären Nr. 1482 erschien) war Gastons Studentenausweis abgebildet. Aus selbigem ging hervor, dass der Bürobote am 24. Juni geboren ist - wie sein Geburtshelfer Delporte!
  • In Brüssel würdigte man Gastons 50. Geburtstag, indem am 28. Februar 2007 alle Autofahrer frei parken durften. Das Geld der Leute, die die Groschengräber trotzdem fütterten, kam einem Kinderhospital zugute.



Jo-Jo bei Kauka

(Achtung, Baustelle!)
Z+T: Franquin. Bis einschließlich Gag 506 wurden in Spirou offiziell Franquin und Jidéhem als Zeichner angegeben, laut Aussage von Jidéhem war er aber nur bis einschließlich Gag 445 beteiligt.

  • FF Jahrbuch 1972: Briefträger Jo-Jo - Gag 438
  • FF Jahrbuch 1973: Ein Jux mit Jo-Jo - Gag 437 (Zweiseiter, Idee: Jiji = J.J. = ?)
  • FF Jahrbuch 1974: Ein Jux mit Jo-Jo - Gags 603 (Idee: Michel = Greg?), 605
  • FF Jahrbuch 1975: Ein Jux mit Jo-Jo - Gags 612, 613, 611, 628, 614, 631, 630
  • FF Jahrbuch 1976: ...runter kommen sie immer/Schienen scheinen sicherer zu sein... als Sicherheitsgurte im Straßenverkehr - Gags 691, 690, 664 (Idee: ?)
  • FF Jahrbuch 1977: Alle Jahre wieder... fährt Jo-Jo aufs Land... den Bauern fährt der Schreck in die Glieder... und dann sind sie wutentbrannt! - Gags 741, 772 (Idee: Delporte), 774 (Idee: Delporte), 773 (Idee: Delporte)
  • FF Album 11: Ein Jux mit Jo-Jo - Gags 435, 434, 426, 439, 418, 417, 474, 421, 462 (Idee: Delporte), 459, 559 (Idee: Liliane Franquin), 592, 545, 463, 456, 416, 436, 520, 475, 420, 627, 442, 567 (Idee: Bibi), 464, 460, 535, 563, 607, 554, 444, 427, 430, 428, 448, 423, 441, 443, 446, 438, 422, 553, 480 (Idee: Delporte), 557, 472, 595
  • FF Spass 23: Ein Jux mit Jo-Jo - Gag 746 (als Poster)
  • FF Spass 25: Wer den Schnupfen hat, braucht für den Jumbo nicht zu sorgen... - Gag 762 (als Poster)
  • FF Spass 28: Ein Jux mit Jo-Jo - Gag 798 (als Poster)
  • FF Spass 31: Jo-Jo Probejux - Gag 682
  • FF Spass 32: Jo-Jos gesammelter Jux - Gags 427, 625, 426, 432, 422, 420, 418, 626, 417, 416, 474, 480 (Idee: Delporte), 428, 429, 432, 435, 434, 436, 438, 440, 437 (Zweiseiter, Idee: Jiji = J.J. = ?), 439, 442, 441, 444, 443, 448, 446, 456, 459, 460, 463, 462 (Idee: Delporte), 464, 449, 469, 465, 466, 627, 475, 473, 430, 457, 453, 651, 443


Gastauftritte bei Pit und Pikkolo

  • Lupo 3/1964: Treffpunkt Rummelplatz - La foire aux gangsters
  • FF 6/1968: Der Saurier von Champignac - Le voyageur du Mésozoïque
  • FF Super 26: Das Riesenbaby - Panade à Champignac
  • FF Extra 4: Die drei Muskeltiere - Bravo les Brothers


Weblinks